„Für mich ist das Wesentliche bei dieser Übung, dass etwas auf der körperlichen Ebene passiert.
Und das hatte sofort starke Wirkungen…
Ich glaube, das Körperliche ist das große Asset bei Euch.“
Roland, Gruppendynamiker, Klagenfurt
Roland im Gespräch mit Beatrix über seine Erfahrungen
beim Tantra-Seminar im Frühling 2026
B: Roland, du warst ja jetzt schon öfter bei uns. Reden wir kurz über das letzte Seminar, TANTRA NOW, SPRING INTO LIFE im Mai. Wie war das Seminar für Dich?
R: Ja, das letzte Mal war spannend. Ihr habt unter anderem das Thema „Grenzen“ behandelt. Für mich ist das schon immer ein großes Thema gewesen, weil ich von meiner Prägung her das Umfeld leichter wahrnehme als mich selbst. Ich bin eher entgrenzt. Ich schaue, was mir angeboten wird und gehe dann auf Angebote ein. Das führt dazu, dass ich leicht zum Opfer der Umstände werde, und das geht meistens nicht gut aus, weil dabei die unterschiedlichsten Verstrickungen entstehen.
Ihr habt also die Grenzen thematisiert – diese Grenzkonstruktion, die man als Mensch hat. Wenn alles gut läuft, weiß man ungefähr ab dem dritten Lebensjahr: Hier bin ich und dort sind die anderen. Je weiter man vor diese Zeit zurückgeht, desto weniger ist man abgegrenzt.
Bei dieser Grenzübung wurde ich offensichtlich in eine frühe Zeit zurückversetzt, und dann konnte ich, wenn man so will, durch die Übung diese Grenzziehung nachholen. Ich habe quasi etwas geübt, das ich damals nicht zu Ende gebracht hatte. Das ist das Schöne an eurem Seminar: es bietet genau dafür die Möglichkeit.
Meine Partnerin war zuerst ziemlich verwirrt, weil sie meine Reaktion sofort auf sich bezogen hat. Schlussendlich half meiner Partnerin und mir die Fremdheit – dass wir uns vorher noch nie gesehen hatten – die Übung positiv zu beenden.
Man ahnt dann schon, dass man nicht allzu viel auf sich beziehen muss, wenn man erst seit ein paar Minuten mit jemandem in einer Übung sitzt. So kann man leichter erkennen, was einen selbst betrifft, was den anderen, und was einfach von der Situation abhängt.
In dieser Übung konnte ich die Grenzsetzung nochmals durchleben, wie auf einer Zeitreise. Und durch dieses neue Durchleben ist eine neue Entscheidungsmöglichkeit entstanden.
Meine Kindheit ist so verlaufen, wie sie verlaufen ist, daran ändere ich nichts mehr. Aber in diesem Moment der Übung ist auf der körperlichen Ebene sehr, sehr viel passiert. Rückblickend war diese Übung für mich wesentlich.
B: Das ist ein recht psychologisches Moment, das Du da beschreibst. Mich würde interessieren: Hat sich bei dir auch im Kontakt mit anderen danach irgendwas verändert, dadurch dass du deine Grenzen jetzt stärker spürst?
R: Ja, also ich würde das gar nicht als psychologisches Moment bezeichnen. Es ist eher ein körperliches Moment, und das geht tiefer als Psychologie. Mit der Psychologie sind wir wieder im Kopf. Für mich ist das Wesentliche bei dieser Übung, dass etwas auf der körperlichen Ebene passiert.
Und das hatte sofort starke Wirkungen. Als ich zurückgekommen bin, haben sich vertraute Beziehungen plötzlich in einem neuen Licht gezeigt. Auf einmal habe ich z.B. in einer Situation gemerkt : Jetzt ist es mir eigentlich zu viel. Und ich konnte dann auch sagen: Okay, das ist mir gerade zu viel, ich brauche ein bisschen Ruhe. Diese Möglichkeit war vorher gar nicht da, weil diese Wahrnehmung bei mir schlicht nicht ausgebaut war. Wo vorher ein reiner Automatismus war, ist jetzt ein Spüren. Es ist ein Erspüren – und dieses Erspüren habe ich im Moment der Übung körperlich gelernt.
Alles, was ich jetzt in Worte fasse, mache ich nur so, weil ich gerne konzeptualisiere. Aber das Wesentliche ist dieses Spüren, nämlich, dass man über das Seminar und die Körperübungen ins Spüren kommt und dadurch plötzlich mehr Zugang zum eigenen Körper hat als vorher.
Interessant ist ja, dass sich die Frage, was in solchen Formaten tatsächlich passiert nicht allgemein beantworten lässt. Es hängt sehr davon ab, wer kommt und, wie sich die Paare ergeben. Grundsätzlich passiert immer etwas, dass mit einem selbst zu tun hat. Wenn ich also schlecht abgegrenzt bin, werde ich in solchen Veranstaltungen immer wieder über das Thema „Grenzen“ stolpern. Und dieses Thema war diesmal dran.
B: Du hast also durch die körperliche Erfahrung im Hier und Jetzt etwas aus der Vergangenheit nacherlebt.
R: Genau. Ich bin im Hochschulbereich unterwegs, und dort wird das Körperliche stark unterschätzt. Das ist fast schon wie eine Epidemie geworden, noch verstärkt durch die neuen Medien, durch die Smartphones. Dieses Manko wird dann oft durch Sprache und Konzepte überdeckt. Das Problem dabei ist nur, so kommt man nicht tief genug, um sich wirklich grundlegend zu verändern oder sich neu auszurichten.
So ein Tantra-Seminar dagegen bietet die Möglichkeit, auf einer ganz tiefen Ebene mit dem eigenen Körper in Kontakt zu kommen – so, dass dann zum Beispiel etwas nachreifen kann, das in einer früheren Entwicklungsphase nicht ganz ausgereift ist. Ich glaube, das Körperliche ist das große Asset bei Euch.
B: Schön, wie Du Deine Erfahrungen beschreibst. Danke für das Gespräch.

